Wertanlage Oldtimer


Wird aus meinem alten Auto auch eine „Oldtimer-Aktie“ ?

Für viele Oldtimerfreunde stellt sich nicht selten, beim Blick in die eigene Garage, die Frage – ist mein Auto in Zukunft ein Oldtimer ?

Hat er eventuell das Potenzial für einen entsprechenden Wertzuwachs ?

Es gibt eine ganze Reihe von Autos und Motorrädern, die inzwischen ein gewisses Alter erreicht haben, aber noch nicht zu den Oldtimern gezählt werden. Da ich von Motorrädern keine Ahnung habe, beschränke ich mich bei meinen Betrachtungen im weiteren ausschließlich auf  Autos.

Automobile werden oftmals bereits ab einem Alter von 20 Jahren in den Kreis der Youngtimer aufgenommen. In der Mehrzahl handelt es sich dabei um Modelle, die gute Chancen haben es zum anerkannten Oldtimer zu schaffen.

 

Ein Freund von mir hat einen VW Jetta II, also der 2. Generation (Bauzeit 1984-1987) in Erstbesitz. Neu gekauft, immer in der Garage und natürlich keine Inspektion ausgelassen, ist der Jetta heute in einem sehr sauberen und selbstverständlich auch rostfreien originalen Zustand.  Ein zukünftiger Oldtimer ? Vielleicht.

Ein Sammlerstück mit Wertzuwachs ? Sicher nicht.

Woran liegt es, dass die einen Fahrzeuge in bestem Zustand wenig gefragt sind und andere Modelle auch in teilweise ruinösen Zustand ihren Wert behalten ?

Sicherlich sind dabei Faktoren, wie zum Beispiel der Name des Herstellers, die relative Seltenheit der Modellreihe, also die absolute Zahl der Gesamtproduktion und die  Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, wichtig.

Trotzdem kommt es auch hier zu unterschiedlichen Einschätzungen.

 

Porsche, am Image der Marke besteht kein Zweifel und alle Modelle vor dem 911er sind Oldtimer. Denn sie haben das Alter, wurden in vergleichsweise geringer Stückzahl produziert, werden unbedingt als Oldtimer wahrgenommen.

Der Porsche 911 wird seit 1965 ununterbrochen produziert, er ist noch immer als Neuwagen im Handel, demnach im Straßenbild oft anzutreffen. Und trotzdem wird ein 911  Bj. 1992 sofort als Oldtimer angesehen. Ein gleichalter Opel Vectra erreicht diesen Status nie.

Man sieht, das passende Alter reicht alleine also nicht aus, um den Status eines Oldtimers zu erreichen. Sollte dann auch noch ein nennenswerter Wertzuwachs erwartet werden, wird der Kreis der infrage kommenden Fahrzeuge noch kleiner.

Natürlich gibt es Autos, bei denen schon bei ihrer Präsentation klar ist, dass ist in Zukunft ein Auto mit Wertzuwachs und es wird dann auch ein gesuchter Oldtimer. Hierzu zählen sicherlich folgende Beispiele:

Alfa Romeo Zagato SZ (Sprint Zagato) Bj.1989 1036 Stück;

oder der Mercedes 500 E (326 PS V8, bei Porsche 10497 Mal gebaut) Bj. 1990.  Zwei Beispiele mit garantierter Wertsteigerung. Doch leider eher selten auf den Seiten von „willhaben“ oder „ebay“ zufinden und auch nicht für jedes Sammler-Bugett geeignet.

 

Gibt es denn heute noch Autos, die jetzt am Gebrauchtwagenmarkt angeboten werden und deren Preisniveau eine eventuelle Anschaffung zulassen ?  Ja, die gibt es.

Jedes Auto verliert nach Erstzulassung regelmäßig seinen Wert. Bei den meisten Wagen endet die Abwärtskurve nach Jahren dann bei gleich Null und somit auf dem Schrottplatz. Einige wenige Modelle erholen sich aber nach durchschreiten der preislichen Talsohle wieder. Diese sind dann die zukünftigen Oldtimer, die später mit guten bis stolzen Preisen wieder in den Kleinanzeigen der Fachpresse auftauchen.

Auch hierfür nur einige, wenige Beispiele:

Grundsätzlich alle Cabrios und einige Coupes, Fahrzeuge der Nobelmarken, oder besondere Seitenlinien von Großserien, wie BMW M3, Lancia V8-Ferrari, Mercedes 190 16V, Audi (Ur)Quattro. 

Gute Chancen auf einen kommenden Sammlerstatus haben auch gut getunte Exemplare von Serienautos, wie

BMW Alpina, Irmscher Opel, Mercedes Brabus u.s.w.

Wichtig ist dabei aber, dass der Name des Tuners vor allem im Typenschein und nicht nur als Pickerl auf der Heckklappe zu sehen ist. Vorsicht ist dagegen bei allen Umbauten geboten, die aus der unbekannter Quelle stammen. Diese müssen nicht zwangsläufig schlecht sein, bleiben aber für den zukünftigen Wert ein Risiko.

 

Sicherlich ist der Kreis noch weitaus Größer, doch stellt sich hier dann eine neue Frage.

Restauriere, erhalte und pflege ich „meinen zukünftigen Oldtimer“ aus persönlicher, emotionaler Beziehung, oder unter dem wirtschaftlichen Gesichtspunkt einmal mehr Geld zu bekommen, als ich investiert habe ?

Beim zuerst genannten Fall, dem persönlichen Bezug zu „meinem“ Oldtimer ist es wie in der Liebe, -

Geld spielt keine Rolle.

Wer aber die Oldtimerei im wirtschaftlichen Zusammenhang sehen will, muss Kosten für Anschaffung, Reparaturen / Restaurationen, Wartung und Unterbringung berücksichtigen. Hier können über die Jahre schnell große Beträge zusammen kommen, die dann trotz erzielter Wertsteigerung unter dem Strich ein negatives Ergebnis bringen.

 

Der eingangs genannte Rucksackgolf (Jetta II) meines Freundes wird trotz bisher nur relativ geringem Unterhaltsaufwand nie in eine Gewinnzone kommen. Dafür ist die Nachfrage im Oldtimersegment für dieses Modell einfach viel zu gering. Zum Glück gehört dieses Exemplar zu dem Kreis der geliebten Familienmitglieder und wird so noch viele Jahre in seiner (teuren) Garage vor sich hin träumen können.

Ein weiterer Freund, Inhaber einer Fachwerkstätte mit eigener Lackiererei, bekam einen Ford 12m P4 Bj. 1964, geschenkt. Originaler Erstbesitz, aber verschlissen, nicht fahrfähig.

Die Restauration im eigenen Betrieb offenbarte erhebliche Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung und dauerte so über 2 Jahre. Das nun fertige Fahrzeug präsentiert sich jetzt in einem tadellosen Zustand, der gewiss besser ist als zum Zeitpunkt der Erstauslieferung.

Eine solche Spitzenrestaurierung ist eine Augenweide, doch stehen die aufgewendeten Kosten und der heutige Marktwert in keinem gesunden Verhältnis. Auch in diesem Fall war die Emotion wohl um ein vielfaches höher angesiedelt.    

Natürlich geht es auch anders, in meinem Bekanntenkreis habe ich gleich zwei Beispiele. Beide kauften schon vor vielen Jahren je einen Renntourenwagen (Ford Capri RS & Porsche 911 RSR). Beide Fahrzeuge hatten während ihrer Einsatzzeit als Werksrennwagen berühmte Fahrer. Und während der Porsche inzwischen mit einem Gewinn von satten 100% weiterverkauft wurde,  wird der Capri im Oldtimer-Rennsport immer noch sehr erfolgreich eingesetzt.

 

Fazit:  Egal aus welcher Motivation man sich für eine Anschaffung, die Erhaltung oder zur Liebe  eines Oldtimer entscheidet, eines ist Gewiss. Ein Leben ohne Oldtimer in der Garage ist möglich, aber sinnlos!1)


Dieter Schelske 2014

 

1)                Etwas abgewandeltes Zitat von Loriot